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Mandelentzündung: Kleiner Junge streckt die Zunge leicht raus und lässt sich von einem Arzt den Rachen untersuchen.
iStock/macniak
Symbolbild

Bei einer Mandelentzündung sind die Gaumenmandeln entzündet. Und das ist mitunter ganz schön schmerzhaft. Lesen Sie, was dagegen hilft.

Halsschmerzen sind fies, da lässt sich nichts schönreden. Jeder Bissen brennt wie Feuer, und selbst ein Schluck Wasser fühlt sich an wie Stahlwolle, die durch den Rachen rutscht. Wenn dann auch noch Fieber und allgemeine Abgeschlagenheit dazukommen, heißt es landläufig: „Du hast bestimmt eine Angina!“ – also eine Entzündung der Mandeln.  

Die Funktion der Mandeln

Eine Mandelentzündung, im Fachjargon auch Tonsillitis oder Angina tonsillaris genannt, wird häufig durch Erkältungsviren und seltener durch Bakterien ausgelöst. Sie trifft vor allem Kinder und Jugendliche überdurchschnittlich oft. Das liegt daran, dass das Immunsystem von jungen Menschen noch nicht so gut trainiert ist und daher manche Krankheitserreger weniger effektiv abwehren kann. Im Laufe der Zeit lernt das Immunsystem aber dazu und die Infekthäufigkeit nimmt ab. Das ist auch ein Verdienst der Mandeln – denn sie spielen bei der Immunabwehr eine große Rolle.

Die Mandeln (auch Tonsillen genannt) sitzen im hinteren Rachenbereich: zwei Gaumenmandeln, zwei Rachenmandeln und eine Zungenmandel. Dieser sogenannte lymphatische Rachenring ist die perfekte Kombination, um Krankheitserreger herauszufiltern, die über Mund und Nase hereinkommen. Das funktioniert unter anderem über eine große Menge an weißen Blutkörperchen, die in den Mandeln sitzen. Diese „Fresszellen“ sind die erste schnelle Abwehr des Körpers, um eindringende Krankheitserreger abzutöten. 

Mögliche Symptome einer Mandelentzündung

In den meisten Fällen sind es die Gaumenmandeln, die sich entzünden. Typische Symptome einer Angina sind:

  • starke Schmerzen beim Schlucken
  • Schluckbeschwerden („kloßige Aussprache“)
  • dick geschwollene Gaumenmandeln mit Eiterstippen
  • Fieber über 38 Grad Celsius, eventuell Schüttelfrost
  • allgemeines Krankheitsgefühl mit Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit
  • geschwollene Lymphknoten am Hals  
  • Mundgeruch und schlechter Geschmack im Mund

Auslöser und Ansteckung

Häufig stecken Erkältungsviren hinter den Entzündungen im Mund-Rachen-Raum. Das ist auch bei Mandelentzündungen so. Zu den Viren können dann noch Bakterien wie beispielsweise Streptokokken („Scharlach-Bakterien“) dazukommen, die dann zu einer eitrigen Mandelentzündung führen. Hier ist oft die Zunge himbeerrot verfärbt. Diese Erkrankung ist hoch ansteckend. Eine Mandelentzündung kann auch ein Symptom anderer Krankheiten sein – zum Beispiel beim Pfeifferschen Drüsenfieber.

Was kann man gegen eine Mandelentzündung tun?

Das entscheiden Arzt oder Ärztin nach einer gründlichen Untersuchung. Generell gilt: Wenn die Mandelentzündung durch Viren ausgelöst wurde, können die Krankheitssymptome mit entsprechenden Medikamenten gelindert werden. Wenn Bakterien die Ursache sind, helfen zusätzlich auch Antibiotika. Zudem sollten Sie mit Zink, Vitamin C und pflanzlichen Kombinationen Ihre Abwehr stärken.

Dazu zählen beispielsweise Präparate mit schmerzlindernden und fiebersenkenden Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Paracetamol. Beide sind für jüngere Kinder in Form von Fiebersaft oder Zäpfchen erhältlich. Für ältere gibt es Tabletten oder Granulate.
Für eine Linderung der Beschwerden eignen sich Lutschpastillen aus Ihrer Apotheke. Sie enthalten desinfizierende Wirkstoffe, oft in Verbindung mit betäubenden Wirkstoffen wie Benzocain oder Lidocain. Lutschpastillen mit Hyaluronsäure fördern die Heilung, indem sie einen befeuchtenden Schutzfilm auf den Schleimhäuten in Mund und Rachen bilden. Auch homöopathische Kombinationen können gerade bei kleineren Kindern sinnvoll sein, da sie geschmacksneutral sind. Wir helfen Ihnen gern, bei den unterschiedlichen Präparaten die richtige Kombination zu finden.
Desinfizierende Gurgellösungen, die ebenfalls in Ihrer Apotheke erhältlich sind, helfen den Virenbefall in Schach zu halten und die entzündeten Stellen zu heilen. Pflanzliche Kombinationen mit Salbei, Pfefferminze, Eukalyptus oder Kamille können ebenfalls gegurgelt werden. Welche Mittel speziell für Sie geeignet sind, dazu beraten wir Sie gern.
Viele Wirkstoffe, die in Halsschmerzpastillen stecken, gibt es alternativ auch als Spray. Sowohl schmerzstillende und desinfizierende als auch entzündungshemmende Wirkstoffe können mit einem Halsspray schnell die Beschwerden lindern. Auch Propolis, das Kittharz der Bienen, gibt es in Form eines Rachensprays.
Bei einer bakteriellen Mandelentzündung verschreiben Arzt oder Ärztin je nach Erreger ein Antibiotikum wie Penicillin oder ein Cephalosporin. Damit können Bakterien schnell und wirkungsvoll abgetötet werden. Auch eine Verschlimmerung der Krankheit oder Folgeerkrankungen, zum Beispiel am Herz, lassen sich so vermeiden.

Hausmittel bei Mandelentzündung

Viele schwören nicht nur bei Halsschmerzen und Schluckbeschwerden auf Hausmittel, sondern auch bei Mandelentzündungen. Tatsächlich können einige Hausmittel die Beschwerden lindern oder die Therapie mit Medikamenten wirkungsvoll unterstützen. Bewährt haben sich neben selbst hergestellten Gurgellösungen und Heilpflanzentees aus Ihrer Apotheke auch Halswickel.

Einen halben Teelöffel Kochsalz in einer Tasse lauwarmem Wasser auflösen und damit gurgeln. Das Wasser sollte vorher abgekocht werden, um mögliche Keime und Bakterien abzutöten. Das Salz hat eine reinigende und desinfizierende Wirkung. Außerdem werden die Schleimhäute im Rachenraum befeuchtet.
Ein Baumwolltuch fingerdick mit Quark bestreichen. Das Ganze einschlagen, um den Hals wickeln, einen Schal darüberbinden und für mindestens 45 Minuten einwirken lassen. Der Quark wirkt kühlend und hilft bei Entzündungen.
Bei Rachenerkrankungen wirken Kräutertees – etwa mit Salbei oder Kamille – besonders gut. Sie halten die Schleimhäute feucht und lösen den Schleim. Außerdem wirken die ätherischen Öle darin gegen Bakterien und Viren. Auch abgekühlte Heilpflanzentees eignen sich gut zum Gurgeln.

Warm oder kalt essen?

Bei der Frage, ob man bei einer Mandelentzündung lieber warme oder kalte Speisen und Getränke zu sich nehmen sollte, scheiden sich die Geister. Wärme fördert die Durchblutung im Hals, was die Abwehrkräfte stärkt. Kälte kann blutungs- und schmerzstillend wirken. Meistens haben kleine und große Patienten ein gutes Bauchgefühl und merken, ob sie lieber Kühles oder Warmes zu sich nehmen möchten. Verzichten Sie aber auf säurehaltige Säfte oder Obst, weil das die Schleimhaut zusätzlich reizt.

Wie lange dauert eine Mandelentzündung?

Das kommt darauf an: Wenn sie mit Antibiotika behandelt wird, ist zumindest die Ansteckungsgefahr nach kurzer Zeit gebannt und der Heilungsprozess beschleunigt. Auskurieren sollte man sich aber trotzdem gut, um einen Rückfall oder Folgeerkrankungen zu vermeiden. Bis man wieder richtig fit ist, kann es deshalb schon mal 10 bis 14 Tage dauern.

Was ist eine chronische Mandelentzündung?

Von einer chronischen Mandelentzündung ist die Rede, wenn die Infektion immer wieder aufflammt und über drei Monate anhält. In einem solchen Fall müssen die Gründe dafür noch mal genauer ärztlich unter die Lupe genommen werden.

Bei mehr als sechs Mandelentzündungen pro Jahr, die auch unter einer medizinischen Therapie nicht auszuheilen sind, kann die Entfernung der Mandeln durch eine Operation erforderlich sein. Dies sollte aber nur nach sorgfältiger Abwägung geschehen und wenn den Beschwerden trotz Medikamenten nicht beizukommen ist. Dann ist der Entzündungsherd auf Dauer zu gefährlich. Bei einer Angina besteht zum Beispiel das Risiko, dass sich daraus weitere Erkrankungen an Herz und Nieren, Rheuma oder ein Abszess entwickeln.

Vor allem bei Kindern muss sehr sorgfältig abgewogen werden, ob eine Operation wirklich nötig ist. Eine Entscheidungshilfe kann betroffene Eltern dabei unterstützen.

Halten Sie die Schleimhäute geschmeidig

Bei Halsschmerzen gilt: Trinken Sie viel Flüssigkeit, am besten Wasser oder entzündungshemmende Heiltees wie etwa Salbeitee. Erwachsene können damit auch gurgeln. Dafür zwei Teebeutel mit siedendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Mit dem abgekühlten Sud können Sie dann dreimal täglich gurgeln.


Dietmar Frey,

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