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Stillen und Muttermilch: Baby trinkt an der Brust der Mutter.
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Symbolbild

Muttermilch ist die beste Ernährung für Ihr Kind und bietet viele Vorteile. Mit ein bisschen Geduld und Unterstützung klappt das Stillen oft problemlos.

In den ersten vier bis sechs Monaten brauchen Säuglinge eigentlich nur zwei Dinge: Milch und Nestwärme. Gut, wenn es dann mit dem Stillen klappt. Denn Muttermilch ist nicht zu toppen. In ihr stecken alle Nährstoffe, die das Baby jetzt braucht. Und eine Extraportion Nähe und Zuwendung gibt es noch dazu. Doch warum ist Muttermilch so gesund? Wie lange sollten Mütter stillen? Und was hilft bei wunden Brustwarzen, Milchstau und Brustentzündungen? Hier finden Sie die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum ist Muttermilch so gesund?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Nationale Stillkommission (NSK) empfehlen das Stillen für Mutter und Kind vor allem aus gesundheitlichen Gründen:

  1. Muttermilch ist optimal zusammengesetzt und passt sich im Nährstoffgehalt den Bedürfnissen des wachsenden Säuglings an.
  2. Muttermilch ist gut verdaulich. Der Milchzucker trägt dazu bei, eine gesunde Darmflora aufzubauen. Dadurch wird die Ansammlung krankmachender Keime gemindert oder sogar ganz verhindert.
  3. Fettsäuren in der Muttermilch sind wichtig, um die enthaltenen Vitamine aufzunehmen, und besonders gut für die Entwicklung des kindlichen Gehirns.
  4. Eiweißstoffe in der Muttermilch sind leicht verdaulich und spielen eine große Rolle beim Schutz vor Infektionen. Darum leiden gestillte Kinder zum Beispiel seltener an Durchfallerkrankungen und Mittelohrentzündungen.
  5. Muttermilch sorgt für den sogenannten „Nestschutz“. Besonders nährstoffreich ist die Vormilch (Kolostrum) der ersten Lebenstage. Sie liefert dem Baby Schluck für Schluck Abwehrstoffe gegen die Infektionskrankheiten, die die Mutter bereits durchgemacht hat.
  6. Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass gestillte Kinder später ein geringeres Risiko haben, an starkem Übergewicht, Allergien oder an bestimmten Krebserkrankungen zu leiden.
  7. Auch Mütter profitieren vom Stillen. Die Gebärmutter bildet sich schneller zurück und vermutlich beugt es im gewissen Umfang Eierstock- und Brustkrebserkrankungen vor.

Darüber hinaus ist Stillen – wenn es sich erst einmal eingespielt hat –­ überaus praktisch. Denn Muttermilch hat immer die richtige Temperatur. Sie ist hygienisch einwandfrei, fast immer verfügbar, kostet nichts und spart Arbeit.

Das fördert die Milchbildung

_ frühes Anlegen gleich nach der Geburt
_ regelmäßiges Stillen an beiden Brüsten
_ häufiges Stillen nach Bedarf
_ eine entspannte Atmosphäre
_ viel Körper- und Hautkontakt

Wie lange stillen?

Die Entscheidung fürs Stillen ist eine ganz persönliche. Entsprechend richtet sich auch die Stilldauer in erster Linie nach den individuellen Lebensumständen. Stehe ich emotional voll hinter dem Stillen? Genießen mein Baby und ich die intime Zweisamkeit? Wie lassen sich Stillen und der Wiedereinstieg in den Job vereinbaren?

Unabhängig davon empfehlen Fachleute in den ersten vier Lebensmonaten voll zu stillen und dann allmählich mit dem Zufüttern zu beginnen, da Babys spätestens ab dem siebten Lebensmonat zusätzliche Energie und Nährstoffe benötigen. Aber auch dann können Sie ergänzend weiter stillen – solange Sie und Ihr Baby sich damit wohlfühlen.

Beikost einführen

Fast allen Babys fällt es schwer, sich an den Löffel und die neuen Geschmacksrichtungen zu gewöhnen. Deshalb brauchen Eltern Zeit und Geduld. Die Grundregel lautet: pro Monat einen neuen Brei – egal, ob selbst gekocht oder aus dem Gläschen. Die ersten Versuche gelingen am besten mittags, wenn das Baby ausgeschlafen ist und schon etwas gegen den Hunger getrunken hat.

Mehr Infos zum Thema Beikost gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter www.kindergesundheit-info.de. Dort finden Eltern auch jede Menge hilfreiche Tipps und Infos zum Thema Stillen.

Stillen und Ernährung

Stillende Mütter dürfen alles essen, was ihnen schmeckt – vorausgesetzt, sie ernähren sich ausgewogen und gesund. Denn Stillende benötigen jede Menge Vitamine und Mineralstoffe. Viel frisches Obst und Gemüse, Milch, Käse, Joghurt, Vollkornprodukte und Seefisch gehören deshalb auf den Speiseplan. Verwenden Sie außerdem hochwertige Pflanzenöle und Jodsalz.

Und Trinken nicht vergessen. Stillende brauchen durchschnittlich mindestens eineinhalb Liter Flüssigkeit pro Tag. Empfehlenswert sind Mineralwasser, ungesüßte Früchte- oder Kräutertees sowie Obstsaftschorlen (Verhältnis 1:3). Spezielle Stilltees fördern die Milchbildung und wirken entblähend. Cola, schwarzer Tee und Kaffee sollten nur in Maßen getrunken werden. Alkohol ist tabu!

Dass Babys mit Blähungen oder einem wunden Po auf bestimmte Lebensmittel reagieren, kommt übrigens eher selten vor. Sollte dies doch einmal der Fall sein, lassen Sie das entsprechende Produkt einfach weg.

Tipp: Besonders in der Anfangszeit mit einem Baby ist es nicht immer einfach, sich gesund zu ernähren. Darum gibt es in Ihrer Apotheke Vitamin- und Mineralstoffkombinationen, die auf die Bedürfnisse stillender Mütter abgestimmt sind. Und: In Deutschland herrscht Jodmangel. Deshalb empfehlen Experten für Stillende 100 Mikrogramm Jod pro Tag. Entsprechende Präparate gibt es ebenfalls bei uns in Ihrer Apotheke. Sprechen Sie uns an. Wir beraten Sie gern.

Probleme beim Stillen: Was tun?

Stillen ist ein Lernprozess für Mutter und Kind. Beide brauchen Zeit und Geduld. Gerade am Anfang ist eine ruhige und entspannte Atmosphäre daher wichtig. Ziehen Sie sich zurück, stellen Sie etwas zu trinken bereit und probieren Sie aus, ob es im Liegen oder Sitzen besser klappt. Lassen Sie sich nicht entmutigen. Legen Sie Ihr Kind immer wieder an. Bei Problemen holen Sie sich Hilfe bei Ihrer Hebamme, bei Stillgruppen, Stillberaterinnen oder bei uns in Ihrer Apotheke.

Wunde Brustwarzen

Einer der häufigsten Gründe, warum Frauen aus Angst erst gar nicht mit dem Stillen anfangen oder aufgrund der Schmerzen frühzeitig mit dem Stillen aufhören, sind wunde Brustwarzen. Sie treten häufig zu Beginn der Stillzeit auf, weil die frischgebackenen Mütter dann noch wenig Übung haben, ihr Kind falsch anlegen oder eine ungünstige Stillposition wählen. Auch eine falsche Saugtechnik des Kindes oder anatomische Gegebenheiten (zum Beispiel ein verkürztes Zungenbändchen) können die Ursache sein.

Schmerzen beim Anlegen und Stillen sind erste Warnsignale dafür, dass die Brustwarzen zu stark beansprucht werden. Deshalb am besten gleich die Hebamme fragen. Sie gibt Tipps zur richtigen Stillposition von Mutter und Kind. So können wunde Brustwarzen bereits im Anfangsstadium verhindert werden. Wenn es trotzdem so weit gekommen ist, helfen zum Beispiel:

  • Brustwarzenschoner und Hydrogelpads aus der Apotheke. Sie schützen die Brustwarzen vor Reibung an der Kleidung und haben eine kühlende Wirkung.
  • Stilleinlagen aus luftdurchlässigen Materialien wie Baumwolle, Wolle oder Seide. Sie saugen Feuchtigkeit auf und sind auch bei empfindlicher Haut angenehm zu tragen. In Ihrer Apotheke erhalten Sie neben waschbaren Einlagen auch entsprechende Einwegprodukte.
  • Lanolin-Salbe, die dünn auf die wunden Brustwarzen aufgetragen wird. Sie pflegt die Haut, wirkt entzündungshemmend und fördert die Heilung. Eine gute Salbe sollte keine Konservierungsstoffe enthalten sowie hypoallergen, farb-, geruch- und geschmacklos sein, damit sie nicht vor dem Füttern entfernt werden muss. Manche Salben enthalten neben Lanolin auch Vitamin E. Das fördert die Zellbildung und schützt die Haut zusätzlich. Sprechen Sie uns an, wir beraten Sie gern.
  • Sterile physiologische Kochsalzlösung (0,9 %) zur Reinigung der Brust bekommen Sie in Ampullen in Ihrer Apotheke. Denn eine gute Hygiene ist wichtig, um die Bildung von Krankheitserregern zu verhindern. Die Kochsalzlösung auf den vorher mit warmem Wasser gereinigten Brustwarzen verteilen. Anschließend die Brüste mit einem sauberen Handtuch trocken tupfen.
  • Luft und Sonne. Wann immer es möglich ist, die Brüste nach dem Stillen unbedeckt trocknen lassen. Vorher die Brustwarzen mit Muttermilch betupfen.
  • Stillhütchen reduzieren die Schmerzen, sollten aber keine Dauerlösung sein, weil sich dadurch die Milchproduktion reduzieren kann. 

Milchstau

Eine harte, schmerzhafte Stelle an der Brust deutet auf einen Milchstau hin. Das kann passieren, wenn es zu einem Milchüberschuss in den Milchgängen kommt. Deshalb ist es wichtig, die Brust immer gründlich zu entleeren.

Legen Sie Ihr Kind weiterhin häufig an und beginnen Sie mit der betroffenen Brust. Eine warme Dusche oder ein feuchtwarmer Umschlag vor dem Stillen entspannen das Gewebe und fördern den Milchfluss. Zusätzliches Abpumpen oder das vorsichtige Ausstreichen der Milch kann ebenfalls helfen, den Milchstau zu lösen. Das sollte aber nur kurzfristig erfolgen, da sich die Milchbildung nach der Menge richtet, die getrunken beziehungswiese abgepumpt wird.

Brustentzündung

Als Brustentzündung (Mastitis) wird eine schmerzhafte Schwellung der Brust bezeichnet. Oft sind die betroffenen Stellen gerötet und überhitzt. Auch Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen können auftreten.

Verursacht wird die Entzündung häufig durch einen Milchstau. Hinzu kommen Bakterien, die durch kleine Risse und wunde Stellen an der Brustwarze in die Brust eindringen. Bei den ersten Anzeichen einer Brustentzündung sollten Sie Ihren Arzt oder Ihre Hebamme kontaktieren. Denn rechtzeitig behandelt, heilt die Brustentzündung in der Regel rasch aus, ohne dass Sie abstillen müssen.

Um die Brust zu entlasten, sollten Sie das Kind alle zwei Stunden anlegen oder die Milch abpumpen. Zwischendurch können Sie die Brust mit kalten Quarkkompressen oder speziellen Pads aus der Apotheke kühlen. Bei eitrigen Infektionen verschreibt der Arzt „stillfreundliche“ Antibiotika.

Übrigens: Die Milch der entzündeten Brust ist für Ihr Baby nicht gefährlich. Sie kann aber anders schmecken, deshalb verweigern manche Kinder das Trinken. In dem Fall geben Sie Ihrem Kind einfach die Milch aus der gesunden Brust und pumpen die andere ab.  

Medikamente in der Stillzeit

Egal, ob Antibiotika, Hustensaft oder Schmerzmittel – jede Medikamenteneinnahme sollte in der Stillzeit genau überlegt sein. Fragen Sie bei uns in Ihrer Apotheke nach. Wir klären Sie auf, welche Arzneistoffe in die Muttermilch übergehen können, und helfen Ihnen bei Bedarf, das passende Präparat zu finden.

Stillen: Warum es nicht klappt

Es gibt nur wenige medizinische Gründe, zum Beispiel eine vorangegangene Brust-OP oder eine HIV-Infektion, die das Stillen verhindern. Auch besondere Brustwarzenformen (zum Beispiel Flach- oder Hohlwarzen) sind nicht zwangsläufig ein Hinderungsgrund. Anfangs fällt es dem Baby dann aber oft schwer, die Brustwarze richtig zu fassen. Deshalb empfehlen einige Expertinnen und Experten spezielle Brustwarzenformer oder Stillhütchen. Sie gibt es in der Apotheke – mit den entsprechenden Pflege- und Hygienetipps.

Manchmal wird dadurch jedoch anfangs die Milchproduktion reduziert, aber Baby und Mutter stellen sich in der Regel schnell auf die neuen Gegebenheiten ein.

Betroffene Frauen sollten sich am besten schon während der Schwangerschaft bei ihrer Hebamme oder einer Stillberaterin informieren. Soll das Baby in einer Klinik zur Welt kommen, empfiehlt es sich, eine Geburtsstation zu wählen, die der WHO-Initiative „Stillfreundliches Krankenhaus“ angehört. Hier ist das Personal entsprechend geschult und kann bei Problemen ganz gezielt unterstützen.

Zu wenig Milch? 

Zu wenig Milch wird ebenfalls häufig als Grund fürs Zufüttern oder das vorzeitige Abstillen genannt. Dabei haben schätzungsweise höchstens fünf Prozent der Frauen hier tatsächlich körperlich bedingte Probleme. Manchmal kommt jedoch die Milchbildung aufgrund von ungünstigen Rahmenbedingungen bei der Geburt, zum Beispiel einem hohen Blutverlust, nicht richtig in Gang. Oder aber die Mutter ist verunsichert und interpretiert die Signale ihres Babys falsch.

Die Sorge, das Baby könnte zu wenig Milch bekommen, ist unbegründet, wenn das Baby

  • sein Geburtsgewicht in den ersten zehn Tagen wieder erreicht,
  • in den ersten zwei Monaten wöchentlich zwischen 170 und 330 Gramm zunimmt,  
  • im dritten und vierten Monat wöchentlich zwischen 110 und 330 Gramm zunimmt,
  • täglich mehrere nasse Windeln und regelmäßig Stuhlgang hat und
  • es munter und aktiv wirkt.

Wenn die genannten Punkte nicht zutreffen oder wenn Sie unsicher sind, wenden Sie sich an Ihre Hebamme oder Ihren Kinderarzt. Um die Gewichtszunahme im Blick zu behalten, können Sie bei uns in der Apotheke auch eine Babywaage ausleihen.

Milchpumpen aus der Apotheke

Bei Stillproblemen oder wenn Mütter mal eine Pause brauchen, ist es wichtig, die Milch regelmäßig abzupumpen, damit die Milchbildung weiterläuft. Hochwertige mechanische und elektrische Milchpumpen können Sie bei uns in Ihrer Apotheke ausleihen. Kleine Handmilchpumpen lassen das diskrete Abpumpen überall zu. Elektrische Intervallmilchpumpen sind hingegen ideal für häufigeres Abpumpen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Miete und Zubehör, wenn Stillschwierigkeiten durch einen Arzt diagnostiziert wurden.

Bei uns bekommen Sie auch hygienische Aufbewahrungsbeutel für die Milch, Mikrowellenbeutel zum Desinfizieren von Stillzubehör sowie Tipps und Infos zur Handhabung.


Dietmar Frey,

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